Sonntag, 26. Februar 2017

6 Wochen Water Only Haarwäsche | Haare nur mit Wasser waschen


Bisher gab es recht wenig zum Thema Haare auf meinem Blog zu lesen, was wohl daran liegt, dass ich diesbezüglich eine recht unkomplizierte Pflege betreibe oder anders gesagt für ausgiebige Pflege meiner recht langen Haare viel zu faul bin.
Außer einmal wöchentlich Shampoo und Spülung (oder alternative Haarwaschprodukte wie Lavaerde) kam in den letzten Jahren nicht viel an meine Haare. Ich lasse sie außerdem lufttrocknen und das seit etwa zwei Jahren in einem Haardonut, was meine Naturwellen schön zur Geltung bringt und meinen feinen Haaren mehr Volumen beschert. Mit weniger Produktaufwand geht es kaum…oder vielleicht doch?
Ziemlich spontan entschied ich mich Mitte Januar dann dazu, meine Haare nur noch mit Wasser zu waschen. Der Zeitpunkt passte einfach, da ich in dieser Woche krankgeschrieben war und ein befürchtetes Haardisaster damit nicht ganz so schlimm gewesen wäre. Schon Wochen vorher habe ich mich allerdings immer mal wieder auf verschiedenen Blogs ins Thema eingelesen. Eine Liste mit Lesetipps zum Thema findet ihr am Ende des Beitrages. Wider Erwarten klappte die Haarwäsche nur mit Wasser, genannt WO wie Water Only oder manchmal auch OW wie Only Water, besser als gedacht, weshalb ich mich dazu entschied, vorerst bei dieser Waschmethode zu bleiben. Heute soll es nach 6 Wochen ein erstes Update und viele, viele Infos zu dieser Haarwaschmethode geben.

MEINE HAAR-DATEN
    1. Haarlänge        bis etwa Mitte des Rückens
    2. Haardicke        eher fein
    3. Haarstruktur   Wellen bis leichte Locken
    4. Haarzustand    trocken
    5. Kopfhaut          trocken, neigt zu Schuppen

MEINE HAARPFLEGE-VORGESCHICHTE
Die Haarpflege ohne Silikone war, wie sicher bei vielen von euch, vor einigen Jahren mein Einstieg in die Naturkosmetik. Seitdem habe ich viele, vor allem günstige Naturkosmetikshampoos getestet und mich auch mal an alternative Haarwaschmethoden gewagt. So wusch ich etwa ein halbes Jahr lang meine Haare mit Lavaerde, was super funktioniert hat. Einen ausführlichen Bericht dazu findet ihr hier.
Hintergrund vieler Haarwaschexperimente war dabei meine trockene, schuppende Kopfhaut, die sich auch ziemlich genau mit der Umstellung zur Naturkosmetik zeigte. Nach praktisch jeder Haarwäsche waren viele Schuppen sichtbar, die ich einfach nicht loswurde. Im Laufe der Zeit verschlimmerte sich dieser Zustand sogar. Ich hatte deshalb eine Zeit lang die Tenside in Naturkosmetik Shampoos im Verdacht. Hier werden mildere Tenside verwendet als in konventionellen Shampoos und ich habe des Öfteren von Unverträglichkeiten gelesen. Mittlerweile denke ich aber, dass die Ursache der immer schlimmer werdenden Schuppen woanders liegt. Weniger in den Produkten und Inhaltsstoffen, als eher in meinem Umgang mit meinen Haaren. Mit der Umstellung auf Naturkosmetik-Shampoos und dem Verzicht auf Glätteisen kämmte ich auch meine Haare immer weniger, da sie zu Wellen bis leichten Locken neigen. Sicher wisst ihr, dass man nach dem Kämmen von Naturwellen aussieht, als hätte man sich soeben an einer Steckdose zu schaffen gemacht x) . Deshalb kämmte ich meine Haare nur noch direkt vor dem Waschen, was durch meinen Waschrythmus von einer Haarwäsche pro Woche auf Dauer dazu führte, dass ich auch meiner Kopfhaut praktisch nur noch ein Mal pro Woche Aufmerksamkeit schenkte.
So nahmen die Schuppen immer mehr zu, da ich mich kaum noch traute, die Kopfhaut anzufassen, um nicht noch mehr Schuppen zu lösen. Die Lösung des Problems fand ich dann noch vor meiner Umstellung auf WO: Peeling! Wenn unsere Haut trocken ist und sich schuppt, müssen abgestorbene Hautzellen erst durch irgendeine Art von Peeling entfernt werden, damit die darunterliegende Haut nachfolgende Pflege wieder aufnehmen kann. Warum sollte das als bei der Kopfhaut anders sein?
Vor meinen Haarwäschen begann ich aus diesem Grund meine Kopfhaut mit einem Massagepad (oder später mit dem Tangle Teezer) sanft zu massieren, um die Schuppenschicht zu lösen, die sich dort aufgebaut hat. Nach und nach verringerten sich dadurch die Schuppen. Ein Problem beim Waschen meiner Haare mit Produkten blieb jedoch: die Kopfhaut war direkt nach dem Waschen recht trocken, ebenso wie meine Haarlängen. Wellige bis lockige Haare sind ja von Natur aus eher trocken, was durch herkömmliche Haarwäschen (und selbst durch Alternativen wie Lavaerde) nicht besser wird. Denn all diese Produkte zur Haarwäsche, ob nun konventionell oder alternativ, haben die Reinigung von Haaren und Kopfhaut zum Ziel, um fettige Ansätze loszuwerden und fluffig-saubere Haare zu bekommen. Dieser fettige Ansatz ist jedoch das natürlich produzierte Sebum (auch Haartalg), das von der Kopfhaut zur Pflege der Haarlängen bereitgestellt wird. Wäscht man bei jeder Haarwäsche das Sebum aus, hilft nur noch ordentlich Pflege nach den Haarwäschen in Form von Ölen oder Haarcremes. Da ich für zu viele Pflegeprodukte aber zu nachlässig bin, wollte ich das Problem gern an der Wurzel bekämpfen. Und hier kommt Water Only ins Spiel (: .



WARUM WATER ONLY?
Die Entscheidung dazu traf ich, so absurd das auch klingen mag, als ich wiederholt über das schöne, weiche und saubere Fell unserer Katze nachdachte. Zuvor schon hatte ich viel über Water Only gelesen, glaubte aber nicht, dass das funktionieren kann. Immerhin kann Wasser keine Öle und Fette lösen. Wie also sollte man durch das Waschen nur mit Wasser seine Haare sauber bekommen?
Wenn aber unsere Katze so schönes, gepflegtes, vollkommen geruchsloses Fell hat, ohne jemals Shampoo oder dergleichen gesehen zu haben, warum sollte das dann bei meinen Haaren nicht möglich sein? Dieser Gedanke bestärkte mich dann darin, einen ersten Versuch zu starten.
Die Idee hinter Water Only ist, dass die Kopfhaut nicht grundlos Sebum produziert, sondern dieses zur Pflege der Haare bereitgestellt wird. Wenn wir nun bei jeder Haarwäsche das Sebum vollständig entfernen, produziert die Kopfhaut immer neues Sebum, um die plötzliche Trockenheit der Haut nach der Haarwäsche zu bekämpfen. Die Sebumproduktion kann also durchaus durch häufige, herkömmliche Haarwäschen angekurbelt werden, bei denen der natürliche Haartalg mit Hilfe fettlösender Substanzen wie Tensiden herausgewaschen wird. Gleiches gilt auch für alternative Haarwaschmethoden mit Produkten, zum Beispiel Low-Poo/No-Poo , die durch ihre mildere Waschwirkung die übermäßige Sebumproduktion vielleicht nicht unbedingt verschlimmern, aber ebenso die natürlichen Fette aus den Haaren waschen, die eigentlich der Pflege der Haarlängen dienen sollten.




VORGEHENSWEISE
Wie nun erreicht man sauberes, gepflegt aussehendes Haar nur mit Wasser? Der Trick dahinter ist die „mechanische Reinigung“ des Haares, um die Ansätze frisch aussehen zu lassen. Da man keinerlei fettlösende Waschsubstanzen verwendet, wird der Ansatz früher oder später „fettig“ aussehen, wenn das Sebum, das für diesen Zustand verantwortlich ist, nicht in die Längen verteilt wird. Deshalb ist das tägliche Bürsten der Haare, was bei mir sonst nur einmal wöchentlich geschah, Pflicht beim Waschen nur mit Wasser. Empfohlen wird dafür die Anschaffung einer guten Wildschweinborstenbürste. Da ich mir eine solche nicht kaufen wollte, einerseits aus ethischen Gründen, andererseits weil ich mir für eine produktfreie Haarpflege nicht wieder etwas Neues anschaffen wollte, habe ich einfach die Bürste verwendet, die ich ohnehin zu Hause hatte. Diese besteht sogar aus einer Mischung von (vermutlich) Wildschweinborsten und Plastikborsten. Ich habe sie mir vor vielen Jahren mal bei Rossmann gekauft. Sisalbürsten als vegane Alternativen sollen wohl nicht den gewünschten Effekt einer Wildschweinborstenbürste bringen, was ich in vielen negativen Erfahrungsberichten gelesen habe. Wer also keine Wildschweinborstenbürste verwenden möchte, wird wohl in eine Holzbürste oder besser noch in einen Holzkamm investieren müssen. Da meine Bürste von Rossmann demnächst wahrscheinlich seinen Dienst erfüllt hat, habe ich mir nun zwei unterschiedliche Holzbürsten bestellt. Die Wildschweinborstenbürste ist aber wohl im Verteilen des Sebums in die Längen unangefochtener Profi, da die Wildschweinborsten den Talg ähnlich wie unsere Haare gut aufnehmen und durch ihre feste Struktur beim Durchbürsten gut in den Längen verteilen können. Ein feiner Holzkamm wie beispielsweise der Haarschneidekamm von Kostkamm macht aber bei meinen Haaren ebenfalls einen guten Job. Davor muss ich meine Haare allerdings mit einer Bürste gut entwirren, um mit dem Kamm problemlos durchgleiten zu können. Auch kann man mit den Fingern Sebum sehr gut vom Ansatz in die Längen ziehen, was man in WO-Kreisen als Preening bezeichnet. Der Begriff wird sonst übrigens für das „sich putzen“ bei Tieren verwendet x) . Eine gute Erklärung dafür findet ihr hier.
Lockenträgerinnen, die auf keinen Fall täglich bürsten möchten, können sich eventuell mit einem grobzinkigen Holzkamm und dem Preening mit den Fingern durch die Umstellungszeit hangeln.
Das tägliche Verteilen des Haartalgs mache ich abends, damit ich meine Haare über Nacht in den Haardonut eindrehen kann und morgens schöne Wellen ohne Frizz habe. So macht meinen Naturwellen auch das tägliche Bürsten nichts mehr aus, auch wenn sie direkt danach manchmal aussehen wie die Friese eines frisch gewaschenen und geföhnten Pudels x) .
Durch das tägliche Bürsten ist übrigens auch das tägliche Waschen der Bürste Pflicht, da diese gerade in der Anfangszeit nach jedem Bürsten voller Talg, Staub und eventuelles Kalkresten ist.
Das Waschen der Haare an sich gestaltet sich bei mir recht unkompliziert. Ich wasche meist über der Badewanne mit kaltem Wasser, obwohl gerade warmes Wasser oftmals insbesondere in der Anfangszeit empfohlen wird, da durch die Wärme das Sebum etwas besser gelöst wird. Da ich vorher jedoch auch am liebsten kalt gewaschen habe, habe ich das auch bei WO so beibehalten. Nur wenn ich ohnehin unter der Dusche stehe und die Haare dann gleich mitwaschen kann, nutze ich warmes bzw. heißes Wasser. Ich wasche die Haare dann einfach genau so, wie ich es auch mit Shampoo tun würde: ich massiere die Kopfhaut lange und ausgiebig, um Schmutz und überschüssige Fette mechanisch von ihr zu lösen. Der meiste Schmutz wird ohnehin durch das tägliche Bürsten entfernt, sodass es nur noch gilt, überschüssiges Sebum in die Längen zu spülen und die Kopfhaut zu säubern. Das Waschen kann dann schon mal mehrere Minuten dauern und die Haare fühlen sich auch nach ausgiebigem Waschen irgendwie wachsig und schwer an, woran man sich erst mal gewöhnen muss. Danach lasse ich sie im Handtuch kurz antrocknen, bevor ich sie ohne weitere Pflege in meinen Haardonut eindrehe und dort trocknen lasse. Nach dem Trocknen kann es sein, dass die Haare etwas zusammenkleben, was sich aber durch Kämmen mit den Fingern beheben lässt und auch eher am Anfang ein Problem war. Da sahen die Haare oftmals erst am 2. oder 3. Tag nach der Haarwäsche mit Wasser gut aus, während sie nach dem Trocknen eher wachsig zu sein schienen.
Ich habe meinen Waschrhythmus bei Beginn meiner WO-Haarwäschen übrigens ganz bewusst auf 3 Tage verkürzt, obwohl ich vorher nur einmal wöchentlich gewaschen habe. Ich denke, dass es gerade in der Umstellungsphase, in der die Kopfhaut durch jahrelange Gewohnheit noch recht viel Sebum produziert, nicht sonderlich von Vorteil ist, die Haare übermäßig einfetten zu lassen, da man so schnell das viele Sebum nicht bis in die Längen verteilen kann und nur durch Waschen mit Wasser nicht wegbekommt. Ich würde daher jedem Einsteiger empfehlen nach Bedarf zu waschen, auch wenn das die tägliche Haarwäsche bedeuten sollte. Das ist nicht nur taktisch sinnvoll, sondern auch für das eigene hygienische Wohlbefinden (und das seiner Mitmenschen) wichtig.



MEINE UMSTELLUNGSZEIT
Wenn man seine Haare plötzlich nur noch mit Wasser wäscht, ist eine Umstellungszeit unumgänglich, in der die Haare womöglich nicht ganz so aussehen, wie man sich das wünschen würde. Die Sebumproduktion reguliert sich erst nach und nach, wenn man keine Haarwaschprodukte mehr zum Entfetten der Kopfhaut verwendet. Meine Umstellungszeit ist nach 6 Wochen wahrscheinlich noch nicht komplett vorüber, aber sie war durch die Verkürzung meines Waschrhythmus deutlich angenehmer als erwartet. Seitdem ich meine Haare nur noch mit Wasser wasche habe ich sie deutlich öfter offen oder zumindest als Half-Updo getragen, wo ich meine Haare vorher oftmals geduttet habe.
In Woche 1 waren die Haare noch recht unkompliziert. Ich habe damit begonnen, sie alle 3 Tage ausschließlich mit Wasser zu waschen. Vor dem Waschen habe ich sie intensiv gebürstet, mit meinen Fingerspitzen die Kopfhaut massiert („Scritching“) und ebenfalls mit den Fingern versucht, überschüssiges Sebum vom Ansatz hinunter in die Längen zu ziehen („Preening“). Nach dem Waschen waren die Haare etwas klebriger als gewohnt, was sich mit dem Ausbürsten allerdings besserte. Meine leichten Locken kamen plötzlich stark zum Vorschein (: . Die Trocknungsdauer meiner Haare war allerdings viel länger als zuvor.
In Woche 2 sahen meine Haare besser aus, als sie sich anfühlten. Mit den Fingern kam ich nur schwer durch die Haare, die sich sehr griffig und wachsig anfühlen. Optisch sahen sie jedoch nicht fettig aus, was mich sehr erstaunt hat.
In Woche 3 dann fühlten sich meine Haare besser an, als sie aussahen, da das Sebum nun seine Konsistenz veränderte und weniger wachsig wurde, sondern sich eher wie ein leichtes Öl anfühlte. In dieser Woche sahen meine Haare aber schon etwas fettiger aus. Die Trocknungsdauer meiner Haare war nun aber deutlich kürzer als vor den WO-Haarwäschen, als ich meine Haare noch mit Produkten gewaschen habe.
In Woche 4 wurden meine Haare insgesamt weniger schnell fettig, sodass alle 4 Tage waschen ausreichte. Da meine Spitzen noch etwas trocken waren und generell mal wieder einen Schnitt vertragen konnten, habe ich gute 6 Zentimeter abgeschnitten. Danach fühlte sich mein Haar insgesamt schon viel gepflegter an.
In Woche 5 waren meine Haare schon recht pflegeleicht, sodass ich das tägliche Bürsten auch mal unter den Tisch fallen ließ.
In Woche 6 habe ich nur 1 Mal gewaschen, weil sich die Sebumproduktion langsam einzupendeln scheint. Fettfrei waren sie in dieser Woche nicht, dafür wandert das Sebum in meinen Haaren immer weiter nach unten, sodass sie sich jetzt richtig seidig anfühlen. Bis in die Spitzen hat es das Sebum allerdings noch nicht geschafft.
Nach 6 Wochen wäre eine Reinigungswäsche mit Produkt sicher nicht verwerflich, um überschüssiges Sebum zu entfernen, das durch die anfängliche Überproduktion eventuell Built-Up produziert hat, allerdings habe ich Angst, dass ich meine Haarlängen dann wieder vom Sebum befreie, das ich dort ja erst nach mehreren Wochen hinbekommen habe und sie wieder trocken werden. So eine Reinigungswäsche haben allerdings viele erfolgreiche WO-Betreiberinnen gemacht. Es wird auch oft empfohlen in der Anfangszeit zusätzliche Öle in die Längen und Spitzen zu geben, damit sie nicht so sehr austrocknen ganz ohne Pflege. Da ich auch vor meinen WO-Wäschen mit Pflegeprodukten eher sparsam umgegangen bin, habe ich darauf verzichtet. In einigen Berichten habe ich diesbezüglich auch von Geruchsbildung infolge ranzig werdender Öle in den Haaren gelesen und das wäre nun das Letzte gewesen, was ich gebraucht hätte x) .
Übrigens gibt es auch Tage, an denen die Haare gar nicht mehr schön aussehen und nach ausgiebigem Bürsten sind sie am nächsten Tag „fast wieder frisch und vorzeigbar“, sodass man nicht gleich immer waschen muss, sondern manchmal auch ausgiebiges Bürsten ausreicht, um sie zu reinigen. Grund dafür ist, dass die trockeneren Längen das Sebum förmlich aufsaugen. Für mich, die vorher das Bürsten immer so lange es ging vermieden hat, um eben danach nicht sofort waschen zu müssen, war das eine interessante neue Erkenntnis x) .



ZULETZT VERWENDETE HAARWASCHPRODUKTE
Meine Umstellung zu WO verlief sicher auch wegen meines ohnehin recht ausgedehnten Waschrhythmus und der vorher verwendeten Produkte relativ unkompliziert. Zum Waschen verwendete ich im letzten halben Jahr das feste Shampoo von Secrets de Provence (Solid Shampoo) gegen Schuppen, was ich jedem empfehlen kann, der seinen Müllverbrauch durch Shampooflaschen reduzieren will. Das feste Shampoo schäumte recht stark, wodurch die Reinigungswirkung sehr gut war. Es riecht übrigens wie ein Süßwarengeschäft, allerdings eher dezent. Da es durch die gute Reinigungsleistung die Haare leicht stumpf machte, kam danach eine großzügige Portion der Biofficina Toscana Konzentrierte Aktiv-Haarpflegespülung in meine Haarlängen. Durch die Beschäftigung mit der Curly Girl Methode (Infos dazu hier und hier) wusch ich meine Haare dann irgendwann in Co-Wasch-Manier bereits vor dem Shampoonieren mit dem Conditioner und danach. Das trocknete meine Haare weniger aus und definierte meine Locken etwas mehr. Reines Co-Washing, also das Waschen nur mit Conditioner, was insbesondere Lockenköpfen empfohlen wird, beschwerte meine feinen Haare. Das lag aber sicher auch an dem unglaublich reichhaltigen Conditioner von Biofficina Toascana, den ich dafür verwendete. Wer es zunächst mit Co-Washing versuchen möchte, sollte also eher nach einer sehr leichten Spülung Ausschau halten.
Zuletzt entdeckte ich dann durch Idas Beitrag „No Poo für Faule“ das Eliah Sahil Amla Pulver für die Haarwäsche, das ich jedem ans Herz legen kann, der seinen Waschrhythmus etwas verlängern möchte. Damit sahen meine Haare nach einer Woche noch fast wie frisch gewaschen aus. Nur der Geruch ist sicher nicht jedermanns Sache. Für mich riecht das Pulver nach Chlor, woran ich mich nicht wirklich gestört habe. Wer diesen Geruch aber absolut nicht mag, wird mit dem Pulver sicher nicht glücklich werden.



BISHERIGE VORTEILE VON WATER ONLY
Meine Haare haben durch mehr Griffigkeit deutlich mehr Volumen im Ansatz, seitdem ich sie nur noch mit Wasser wasche. Auch Frizz, mit dem ich dank meiner Naturwelle immer zu kämpfen hatte, ist nun viel weniger vorhanden. Außerdem sind sie einfach nicht mehr trocken, was auch die Locken deutlicher herausbringt. Sie haben so viel mehr Sprungkraft! Sie sehen gepflegter und glänzender aus und fühlen sich weniger fein an.
Selbst mein Freund, der dem Waschen nur mit Wasser sehr skeptisch gegenübersteht, sagte, dass meine Haare seit dem WO-Waschen besser aussehen und voluminöser im Ansatz sind.
Die Schuppen sind durch das tägliche Bürsten und die gut gepflegte Kopfhaut ebenfalls verschwunden.
Seit der 3. Woche WO trocknen meine Haare auch viel schneller als noch zu Shampoo-Zeiten, was daher kommt, dass die Haare sich beim Waschen nicht mehr mit Wasser vollsaugen, da sie durch das Sebum eine Art wasserabweisende Schutzhülle erhalten, die auch für die Pflege sorgt. Meine Wellen halten sich generell viel länger, ohne sich bereits nach einer Stunde auszuhängen. Die Wellen halten und halten und halten…und das ganz ohne Haarspray. So etwas habe ich bei meinen Haaren noch nie erlebt! Selbst bei feuchtem Wetter behalten meine Haare ihre Form. Insgesamt ist meine Naturhaarfarbe nun deutlich intensiver und dunkler.
Außerdem verknoten meine Haare kaum noch, selbst nach dem Tragen von Schals nicht, wo sie sich im Nacken sonst immer stark verknotet haben.
Der letzte positive Aspekt ist eher ein Nebenprodukt des „Sich-endlich-mit-den-Haaren-Beschäftigens“. Durch die Vorteile von WO habe ich einfach viel mehr Lust, mich meinen Haaren zu widmen, die vorher eher etwas stiefmütterlich behandelt wurden. Grund dafür war die Unzufriedenheit, weil sie nie so wollten wie ich und ich sie deshalb auch nur 1-2 Mal pro Woche offen getragen und den Rest der Woche zum Dutt gedreht habe. Ähnliche Erfahrungen hat Wuscheline mit ihren langen Haaren in ihrem Artikel „Warum ich mir wirklich die Haare abgeschnitten habe“ beschrieben. Jetzt, wo ich mich aber so intensiv mit ihnen beschäftigen „musste“, habe ich auch keine Angst mehr vorm Bürsten zwischen meinen Haarwäschen und davor, sie durch eine falsche Bewegung unwiderruflich so zu zerstören, dass nur noch eine Haarwäsche sie wieder in einen vorzugbaren Zustand versetzt  könnte. Ich kann sie nun nach Lust und Laune anfassen, mich am Kopf kratzen ohne Angst vor Schuppen, sie bürsten, wenn sie doch mal verknotet sind oder einfach mal untertauchen, wenn ich Lust dazu habe. Und ich weiß nun, dass auch das Bürsten allein dafür sorgen kann, dass sie zwischen den Haarwäschen wieder frisch aussehen, ohne dass ich sie waschen müsste.




EVENTUELLE PROBLEME
Okay, ich würde euch auch gern berichten können, dass meine Haare nach nichts riechen, wie es wohl bei einigen anderen WO-Betreiberinnen ist. Leider habe ich an mir selbst in der ersten Umstellungsphase aber schon einen Geruch nach ungewaschenen Haaren wahrgenommen. Mein armer Freund musste zwar zwischendurch immer mal wieder den Schnupper-Test machen und konnte keinen unangenehmen Geruch feststellen („riecht nicht gut, aber auch nicht schlecht“), allerdings fühlt man sich selbst ja nicht sonderlich wohl, wenn man Angst hat nach ungewaschenen Haaren zu müffeln. Ein ganz einfaches Mittel dagegen ist eine Sprühflasche mit beduftetem Wasser. Ich habe, wie hier auf instagram berichtet, ein paar Tropfen eines Parfumöls (H2O von Duft & Schönheit)  in einem Sprühflakon mit Wasser gemischt und mir nach dem Waschen in die nassen Haare und bei Bedarf auch zwischendurch in die trockenen Haare gesprüht. Zuletzt habe ich auch eine Art Rinse mit einem Parfumöl in viel Wasser gemischt durch meine Haare laufen lassen und nicht mehr ausgespülSo kann man auch nach dem Waschen den „Duft frisch gewaschener Haare“ erzeugen, eben mit seinem Lieblingsduft oder ätherischen Ölen (: . Generell funktionieren natürlich auch herkömmliche Parfums oder Bodysprays ohne viel Schnick Schnack dafür.
Für den Erfolg einer WO-Haarwäsche kann außerdem die Wasserhärte entscheidend sein. Ich habe eher mittelhartes Wasser zu Hause, was ganz gut funktioniert, aber gerade anfangs mit dem Sebum gemischt zu Kalkverklebungen führte, die sich allerdings schnell ausbürsten ließen. Sehr hartem Wasser kann unter Umständen deshalb nur mit einer anschließenden sauren Rinse entgegengewirkt werden. Auch half wohl einigen Anwenderinnen nach dem Waschen mit warmem Wasser ein Ausspülen mit sehr kaltem Wasser bei wachsigem, verklebtem Haar.
Ein geringer Kalkschleier kann aber gerade am Anfang der Umstellungszeit sogar hilfreich sein, da er die Haare etwas „matter“ aussehen lässt.
Trotz kleinerer Probleme habe ich momentan noch kein Bedürfnis, zu herkömmlichem Shampoo oder alternativen Haarwaschmitteln zu greifen. Durch meine frühere Umstellung von täglichem Waschen auf einmaliges Waschen pro Woche bin ich aber vielleicht auch bereits etwas „abgehärtet“ ^^ .



WEM ICH WATER ONLY EMPFEHLEN WÜRDE
Vor allem bei trockenen, welligen (Stichwort Naturkrause) oder sogar lockigen Haarstrukturen könnte Water Only eine ganz neue Seite hervorbringen. Durch die gute Pflege werden Locken und Wellen deutlich definierter. Dunkle und eher trockene, voluminöse Haare werden außerdem weniger Probleme in der Umstellungsphase haben, da man ihnen eventuelle fettige Ansätze weniger schnell ansieht als hellen, sehr glatten Haaren. Generell denke ich aber, dass sich jeder, der bisher mit seiner Pflege nie so richtig zufrieden war, an Water Only versuchen könnte. In diesem Video auf YouTube beispielsweise kann man auch das Ergebnis an glatten, hellen Haaren sehen.


LINKTIPPS
Wuschelines WO-Blogposts mit ganz vielen Infos
WO-Bibel von Just Primal Things, wo man wirklich alles zum Thema lernt
WO-Thread im Langhaarnetzwerk mit einigen Erfahrungsberichten
WO-Umstellung sehr detailliert auf YouTube dokumentiert
Erfahrungsbericht einer langjährigen WO-Nutzerin auf YouTube


Übrigens gibt es mittlerweile ein aktuelleres Water-Only-Update nach 8 Monaten mit Haarfotos und weiteren Infos (: .

Kommentare:

  1. Sehr interessanter Post!
    Hast mich super ausführlich informiert :)
    Und ich glaube, meine Haare sind deinen ziemlich ähnlich. Meine sind nur dicker :)

    Alles Liebe, May von Mayanamo

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    1. Liebe May,
      dann könnte das bei dir ebenso gut funktionieren (: . Hach, ich hoffe, dass meine Haare durch Water Only auch etwas "dicker" werden x) .
      Liebe Grüße.

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  2. Danke für die Verlinkungen! :) Ich muss mal sehen, ob ich WO mit den kürzeren Haaren nochmal mache, nach deinem Bericht habe ich auf jeden Fall wieder Lust dazu! :)

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    1. Sehr gern, deine Fotos von deiner WO-Phase mit kurzen Haaren damals hat mich auch sehr inspiriert es mal zu versuchen (: .
      Liebe Grüße.

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  3. Ich wasch auch nur noch mit Wasser. Mich freut es, dass sich jemand, während der ganzen 'Haare waschen mit Roggenmehl', mal jemand der viel leichteren Variante annimmt.

    Ich wasche seit fast drei Jahren fast ausschließlich mit Wasser. Manchmal, da es wegen des höheren Aufwandes (Kopfhaut massieren, Sebum unter der Dusche in die Längen streichen) ja auch länger dauert, greif ich doch zum Shampoo. Allerdings bringt mir das, trotz Verdünnung, recht schnell Trockenheitsschuppen.
    Mein Haar ist fein und sehr glatt und anfangs brauchte ich eine schöne saure Rinse nach dem Waschen, aber mittlerweile verzichte ich auch darauf und spüle nur mit kaltem Wasser nach. Generell scheint es bei mir nur mit heißem Wasser zu funktionieren. Mich wundert wie manche das mit Regenwasser hinbekommen.
    Warmes Wasser scheint das Sebum zu erwärmen, so dass es leichter fortmassiert, oder in die Längen gestrichen werden kann.
    Ich habe eigentlich keine sonderliche Übergangsphase feststellen können, als ich damit anfing. Aber ich muss ehrlich sagen, dass ich auch weniger darauf geachtet habe, da sowieso so viel mit dem Haar los war. Ich hatte es mit Pflanzenhaarfarbe gefärbt und das hat ihm gar nicht gut getan. Erholt haben sie sich davon immer noch nicht.

    Die Gerüche von Shampoo vermisse ich nicht. Sie stören mich, wenn ich dann mal eines verwende, eher sogar.

    Du beschreibst dein Haar fast wie no-poo Haar. Haar, das dir an einem Tag mal nicht so gefällt und am nächsten aber ganz anders und viel frischer aussieht. Das verhält sich bei mir ganz anders.
    Ich stelle, abgesehen von der Schuppenproblematik, keinen Unterschied fest zum Haare waschen mit Shampoo oder Wasser. Mein Haar fettet im Rhythmus einer Woche und verhält sich auch ähnlich. Mein Sebum wird in dieser Woche auch nicht so weich, dass meine Längen es aufsaugen können. Vielleicht weil ich ab und an mal mit Wasser wasche? Allerdings hat sich das in den monatelangen Phasen ohne Shampoo nicht anders gezeigt.
    Ich würde gern für längere Zeit ganz auf das Waschen verzichten und nur bürsten. Obwohl ich mit meinem feinen, glatten Haar, das dazu tendiert auf der Kopfhaut aufzuliegen, dafür nicht den idealen Haartyp habe.
    Aber ich merke innerlich, dass ich auf das Waschen gern verzichten würde. Eigentlich ideal, denn sich zu so einer Übergangszeit zu zwingen ist wohl einfach nur anstrengend.
    Allerdings muss ich einfach vorzeigbar aussehen. Und ein paar Monate nur bürsten, das lässt sich einfach nicht einrichten.
    Naja, irgenwann mal vielleicht :)

    Ein schöner Beitrag, und wie immer so schön gestaltet!!!
    Liebe Grüße

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    1. Liebe Lena,
      erst einmal vielen lieben Dank für deine immer ausführlichen Kommentare und dein liebes Feedback <3 !
      Ich denke, dass solche No-Poo/Low-Poo Varianten für die Umstellung von normalem Shampoo zu WO nicht verkehrt sind, weil sie doch deutlich milder sind und so das Haar nicht von heute auf morgen komplett anders behandelt wird. Gerade für diejenigen, die bisher täglich gewaschen haben wird es sonst wohl kaum auszuhalten sein, kann ich mir vorstellen. Da ich, wie du vermutlich auch, durch den sehr langen Waschrythmus von 1x pro Woche bereits an zeitweise nicht mehr ganz frische Haare gewöhnt war, fiel mir die Umstellung zu Wasser dann recht leicht. Aber ich habe vorher ja auch schon mit anderen Mittelchen experimentiert x) . Roggenmehl habe ich allerdings bisher nicht verwendet, sondern nur Lavaerde und das Eliah Sahil Pulver. Wäre Roggenmehl dann vielleicht etwas für zwischendurch bei deinen Haaren? Aber vermutlich ist es wirklich der Einfachheit halber, dass du zu Shampoo greifst, weil es natürlich bereits fertig in der Tube ist und man nichts mehr anrühren muss, oder? Vielleicht wäre die Lavaerde aus der Tube von Logona etwas für dich. Die habe ich allerdings noch nicht probiert.
      An Shampoo-Düften habe ich mich nicht gestört, aber sicher wäre es nach langer WO-Phase auch fast zu viel, wenn man ein stark duftendes Shampoo verwenden würde.
      Seit fast 3 Jahren ist aber wirklich schon eine wahnsinnig lange Zeit. Toll! Meist lese ich, dass Water Only nur mehrere Monate oder vielleicht mal 1-2 Jahre durchgehalten und dann aus verschiedenen Gründen doch wieder zu Shampoo gegriffen wird. Deine Erfahrungen machen mir da Mut (: .
      Mit heißem Wasser habe ich bisher nur 3-4 Mal gewaschen, ansonsten ausschließlich mit sehr kaltem. Ich denke auch, dass heißes Wasser das Sebum leichter verteilen lässt, da es dadurch flüssiger wird, aber gleichzeitig ist heißes Wasser für die Kopfhaut natürlich etwas austrocknender als kaltes. Das muss man einfach abwägen. Bei mir funktioniert kalt ebenso gut, da ich auch sehr lange wasche und massiere und vorher gut bürste und mit den Fingern durchs Haar gehe, um das Sebum zu verteilen. Womit bürstest du eigentlich?
      Was ist nach dem Färben mit Pflanzenhaarfarbe passiert?
      Meine Haare sind nun ganz anders als nach dem Waschen mit Shampoo. Viel geschmeidiger, weniger trocken, haben mehr Sprungkraft und verfilzen nicht so schnell. Direkt nach dem Waschen und Trocknen muss ich aber meist erst einmal durchbürsten, damit sie schön sind. Früher waren meine Haare nur direkt nach dem Waschen und Trocknen mit Shampoo schön (also den ersten Tag) und danach kaum mehr offen tragbar. Das hat sich jetzt also schon ganz schön verändert. Beim Waschen mit Lavaerde dagegen habe ich keinen großartigen Unterschied zu Shampoo festgestellt, was das Aussehen meiner Haare und den Waschrhythmus anbelangt.
      Mit dem Bürten liegen meine feinen Haare auch oft dicht an der Kopfhaut an, aber wenn ich meine Haare dann mit meinen Fingern kämme und "preene" werden sie meist sehr voluminös. Ist das bei dir auch so?
      Ich finde, dass man mit gedutteten Haaren schon sehr viel "verstecken" kann, zumindest ist es bei mir so (: . Bin gespannt, wie du weitermachst.
      Ganz liebe Grüße <3 .

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